Katholische Kirche (weltweit)

50 Jahre Medellín

Mein Vortrag am 13. April in Medellín

Vor 50 Jahren, vom 26. 8 - 08. 9. 1968, fand in Medellín, Kolumbien, die 2. Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas statt. Die dort gefassten Beschlüsse gelten als die bisher wichtigsten Texte der Kirche in Lateinamerika und der katholischen Kirche weltweit. Es ist ein fundamentales Vermächtnis von Medellín, eine Kirche der Armen, ebenso eine Kirche im Dienste der Menschen, besonders der „Bedrängten aller Art“ und eine „österliche Kirche“ zu werden. Aus diesem Anlass und unter diesem Motto fand das diesjährige Treffen der Fidei-Donum-Priester* in Medellín statt. Eingeladen als Referenten waren vier kolumbianische Theolog*innen. Neben den Priestern nahmen sechs Laientheolog*innen teil. Als der erste Laientheologe im missionarischen Dienst (1976) werde ich regelmäßig zu den Treffen eingeladen, diesmal auch als Referent.

Lateinamerikanische Kirchenhistoriker bezeichnen die Zeit von 1965 – 68 als die Periode, in der in so kurzer Zeit auf kontinentaler Ebene so wie nie zuvor so viele Bewegungen entstanden sind (Priester und Laien), die alle ein Ziel hatten: a) Hören und sehen, was die Menschen bewegt, worunter sie leiden und worauf sie hoffen, b) dies analysieren und im Lichte des Evangeliums neu deuten und c) Folgerungen für die Theologie, vor allem aber für die praktische Pastoral zu ziehen. Soziokulturelle und sozioökonomische Studien sollten helfen, die Zeichen der Zeit – und letztlich das Evangelium – besser oder gar neu verstehen zu können und ein neues Bewusstsein für eine notwendige Veränderung zu schaffen.

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Solidarisch in der Einen Welt

Misereor – inhaltliche Schwerpunkte

  • Kirchliche „Entwicklungshilfe“ bedeutet heute eher, auf der Seite der von ihrem Land Vertriebenen, der Rechtlosen und „Müllmenschen“ (Papst Franziskus) gegen die Allmacht der Weltkonzerne und ihrer Marionettenregierungen zu stehen und Widerstand zu leisten. (Gelegentlich geht es auch „nur“ darum, die schlimmsten Folgen der staatlichen Entwicklungspolitik (BMZ, GIZ, KfW) zu mildern.
  • Aus der Perspektive derer, die unter die weltweit agierenden Räuber gefallen sind Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu analysieren, im Lichte der Bibel zu deuten und aktiv zu werden - hier bei uns. Ihr Schrei nach „Brot“ und Gerechtigkeit ist der Ruf Gottes an uns.
  • „Wie im Westen so auf Erden?“ Statt unsere imperiale Lebensweise (früher: "american way of life“) zu globalisieren, geht es um ein Leben in Würde, wie es Papst Franziskus z.B. im ersten Welttreffen der Volksbewegungen nannte: „Land“ (Landbesitz, Ernährungssouveränität), „Wohnraum“ (Elendsviertel, Vertreibung) und „Arbeit“ (informelle Beschäftigungen, etc.) - und dies im Rahmen der planetarischen Grenzen.

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Gemeinsam Kirche werden

Gemeinsam Kirche werden…..   (mein Vortrag beim FD-Treffen in Lima, Februar 2002)

2. Wenn sich deutsche Gemeinden mit einer armen Gemeinde auf der anderen Seite des Globus einlassen, werden sie auf eine noch grundsätzlichere Weise herausgefordert, ökonomisch und theologisch. Die Campesinos von Cajamarca möchten mit den ihren Partnergruppen in Deutschland ihren Glauben teilen und umgekehrt. Doch die Partner leben in getrennten Welten, besser gesagt: in völlig entgegen gesetzten Wirklichkeiten innerhalb der zur einem einzigen Marktplatz gewordenen Einen Welt. Die deutschen Christen, die einzelnen Gemeindemitglieder wie die Kirche als Ganzes mit ihren Organisationen, sind mehr oder weniger gut funktionierende Bestandteile dieser Gesellschaft. Die beiden Konfessionen sind als Kirchen auf regionaler und nationaler Ebene eng mit Staat und Gesellschaft verflochten. Dies zeigt sich nicht nur in der Kirchensteuer, die bekanntlich umso höher ausfällt, je höhere Gewinne die Wirtschaft erzielt, sondern auch in der Zustimmung zu den herrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Gemeinde und Kirche sind nicht nur Stützen dieser Gesellschaft, sie sind diese Gesellschaft. Als Gemeinde und Teil dieser Gesellschaft sind sie Teil des dazugehörenden Wirtschaftssystems und sie haben ein existentielles Interesse an dem Erhalt und der Funktionstüchtigkeit dieses Systems, das auch ein globales System ist. Aus diesem Interesse heraus entsteht de facto eine entsprechende Option. Die Campesinos gehören hingegen nur insofern zu diesem System, als dass sie sich als vom System Ausgegrenzte erfahren. Mit anderen Worten: sie sind die Opfer eines Systems, das eine Mehrheit der Christen in den reichen Ländern als alternativlos betrachtet und mit dem man sich eben arrangieren oder das man unterstützen muss. Während peruanische Partnergemeinden ihre Situation im Lichte des Glaubens z.B. als Folge der bestehenden sündhaften Strukturen und als unvereinbar mit dem Willen Gottes verstehen und begreifen, steht den deutschen Gemeinden dieser Erkenntnisprozess hinsichtlich ihrer eigenen Situation noch bevor.

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